COPLARE - Coastal Plastics Recycling

Die abenteuerliche Entdeckungsreise ist beendet - und geht trotzdem weiter!

Vor gut drei Jahren, im Sommer 2011, haben wir im Hafen Wiesbaden-Schierstein die Leinen losgemacht, zweieinhalb Jahre später sind wir mit unserer PAGENA auf Neuseelands Nordinsel angekommen und seit Kurzem sind wir wieder zuhause. Die Segelroute folgte größtenteils dem Passatwindgürtel (auch „Barfußroute“ genannt), im 2. Reisejahr bauten wir allerdings eine ausgedehnte Schleife durch den Nord-Pazifik ein, eine eher selten gesegelte Strecke, die uns durch das Gebiet des größten bekannten Müllstrudels (den „North Pacific Gyre“) hindurchführte. Stets mit an Bord war das Projekt COPLARE – Coastal Plastics Recycling e.V., mit dem wir Ideen für Kunststoff-Recycling in Entwicklungsländer bringen wollten. Wir hatten gehofft, dass es möglich ist, aus einem ökologischen Problem an exotisch anmutenden Orten der Welt eine unerwartete Einkommensquelle für die Menschen vor Ort zu machen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

 

Ob uns das gelungen ist oder nicht ist schwer zu sagen. Sicher ist: Wir haben Spuren hinterlassen, an vielen Orten der Welt zur Aufklärung beigetragen, nützliche Informationen und Kontakte vermittelt, Anregungen und Denkanstöße gegeben. Unsere beiden Webseiten werden mittlerweile jeden Monat mehrere tausend Male besucht. Doch vieles kam anders, als wir es zuhause erwartet hatten. An den meisten Orten haben wir vor allem beobachtet, Fragen gestellt und recherchiert und dieses Wissen dokumentiert und publiziert. Daraufhin erhielten wir Emails aus aller Welt von Leuten, die auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten für den Umgang mit Plastikmüll diese Webseite fanden.

Während der Reise haben wir fast täglich dazu gelernt, z.B. über Kontexte in verschiedenen geographischen und klimatischen Regionen sowie über kultur-historische Einflüsse, die man kennen sollte, wenn man beginnt über Abfallmanagement und Recycling in fremden Ländern nachzudenken. Vieles davon haben wir mit unseren Lesern in "COPLAREs Beobachtungen" und den "Bemerkenswert!"-Artikeln geteilt, jedoch nicht alles.

 

Z.B. dass Veränderungsprozesse Zeit brauchen, meist sehr viel Zeit. Das gilt für andere Kulturkreise noch mehr als für Deutschland. Nichts von dem, was wir angestoßen haben, scheint nach knapp drei Jahren schon greifbare Ergebnisse produziert zu haben. Wir hatten sehr gehofft verkünden zu können, dass die kapverdische Insel Sal ihre PET-Flaschen jetzt nach Portugal verkauft, wo sie in einem der größten PET-Recycling-Betriebe Europas wieder aufbereitet und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Den Kontakt dafür konnten wir mit Hilfe von Plastics Europe herstellen, Hoteliers sowie Vertreter der kommunalen Abfallentsorgung hatten sich unsere Präsentationen mit Interesse angehört und der Recycler bat um Warenproben. Doch noch scheint nichts passiert zu sein, zumindest haben wir nicht davon erfahren. „In Afrika dauert alles ewig, fünf Jahre sind hier nichts“ hatte uns eine Kennerin der Kapverden gesagt, als sie von unserem Vorhaben hörte. Und ja, die Vertreter des kommunalen Abfallentsorgungsbetriebs hatten erwähnt, dass sie sich mit den anderen kapverdischen Inseln abstimmen wollten und momentan noch mit der Analyse der Abfallströme beschäftigt seien. Macht ja auch Sinn! Und seien wir mal ehrlich: Auch in Deutschland und Europa brauchen Neuerungen meist viele Jahre Vorbereitung, bevor sie umsetzungsreif sind. Meist erweist es sich als kontraproduktiv, wenn im Vorfeld nicht alle Einwände gehört, nicht alle Anregungen geprüft und nicht alle Betroffenen vom Vorhaben überzeugt werden.

 

Je weiter wir uns von Europa entfernten, umso klarer wurde, dass es an vielen Plätzen der Welt geradezu absurd ist von Recycling zu sprechen. Sei es, weil die potentiellen Stoffströme unzureichend sind, weil Distanzen viel zu groß sind, weil die Verantwortlichkeit für Müll ungeklärt ist oder weil Grundvoraussetzungen wie elektrischer Strom und einfachste Technologien fehlen, mit denen sich vor Ort brauchbare Dinge aus dem Müll herstellen ließen. Mit jeder weiteren zurückgelegten Meile wurde uns klarer, dass bevor Recycling stattfinden kann, erst einmal viele Basis-Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Z.B. Verständnis dafür, was Abfall überhaupt ist und unter welchen Umständen Müll schädlich für Mensch und Umwelt ist. Das größte Problem ist im Allgemeinen jedoch, dass „Müllentsorgung“ fast überall auf der Weltbedeutet, dass der Abfall ganz einfach auf die nächste Deponie wandert. Aus den Augen, aus dem Sinn! Was für Deutschland richtig ist, nämlich dass so viel Plastikmüll wie möglich vor der Verbrennung gerettet und dem Recycling zugeführt werden sollte, ist an den meisten Stellen der Welt eine Utopie. Wenn es darum geht zu deponieren oder zu verbrennen, sind sich alle Umweltschutz-Organisationen einig: Verbrennung ist der bessere Weg – sofern Abgase gefiltert werden und die Verbrennungsenergie zur Stromerzeugung genutzt wird (Stichwort „Energy Recovery“, „energetische Verwertung“). Wenn sich mit der Abwärme aus der Verbrennung auch noch was anfangen lässt – umso besser.

 

In uns wuchs der Wunsch zu helfen den Abfall auch ohne Recycling runter von offenen Deponien, raus aus dem Wind, weg von den Küsten zu bekommen. Wir begannen zu recherchieren wie Müll an Orten beseitigt wird, die über keine riesigen und teuren Müllheizkraftwerke verfügen und sich diese auch vermutlich nie werden leisten können. Wir stießen auf kleine Müllverbrennungs-Anlagen, die z.B. auf Kreuzfahrtschiffen verbaut sind und welche, die das U.S. Militär in seinen Camps nutzt. Mit großem Interesse nahmen wir die Technologie einer holländischen Firma wahr, die Abwärme aller Art dazu verwendet um z.B. Salzwasser zu entsalzen. In kleinen, nicht sonderlich kostspieligen und wartungsarmen Geräten. Damit ließe sich z.B. die Abwärme von Müllverbrennung für die Gewinnung von Trinkwasser nutzen. Für Standorte wie die Kapverden und viele andere Orte, die wir kennengelernt haben, ein geniales Konzept. Weiterhin verfolgten wir Berichte über die Rückgewinnung von Öl aus Kunststoff. Dafür wird seit über zwei Jahrzehnten an zwei Verfahren geforscht, Pyrolyse und Gasifizierung. Daraus könnten ebenfalls Technologien entstehen, die bislang meist wertloses Meeresplastik in ein wertvolles Gut umwandeln.

 

Über diese Dinge haben wir nicht berichtet, denn es war ja ein Exkurs vom eigentlichen Vorhaben Kunststoff-Recycling zu fördern. Auch hatten wir nicht die Möglichkeit unsere Recherchen weit genug zu bringen, um sie als reif für die Öffentlichkeit zu betrachten. Alle Verfahren bergen ungeklärte Fragen, sind bislang unwirtschaftlich oder ökologisch nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Vieles ist im Entstehen, aber noch nicht spruchreif.

 

Ausblick:

 

Auch wenn unsere Reise beendet ist, geht die Entdeckungsreise bezüglich intelligentem Recycling und Abfallmanagement für uns weiter. Die bereits verfassten Berichte haben sicher noch einige Jahre Gültigkeit, bevor man sie als veraltet ansehen muss. Gerne ergänzen wir sie um neue Erkenntnisse, die wir ab jetzt in der Heimat gewinnen. Gerne lenken wir auch das Interesse, welches dieser Webseite geschenkt wird, auf neue Initiativen, die wir beachtlich finden. Z.B. aktuell die Videos von Roman Lehner und seiner Expedition Plastik im Indischen Ozean. Von daher bleibt bis auf weiteres alles wie es ist. Vermutlich werden wir auch über unsere „Wiedereingliederung“ ins normale Leben berichten, unsere Leser wissen lassen, was uns heute in Deutschland auffällt und was aus uns wird. Neue Berichte werden wie gewohnt in der News Spalte und per Newsletter angekündigt. Wir freuen uns auf Deinen / Ihren nächsten Besuch!

 

Gerne teilen wir auch die während der Reise gewonnenen Erkenntnisse mit allen Institutionen, Firmen und Initiativen, die sinnvolle Verwendung dafür haben. Was COPLAREs In- und Output auszeichnet ist der Blick fürs Ganze - Grenzen, Kontinente und Fachgebiete übergreifend.